FÜR DIGITALE DEMOKRATISCHE KULTUR
Aktuell, Allgemein 27. September 2017

Hate Speech in Abgrenzung zu Cybermobbing, Dangerous Speech und toxischem Verhalten

by debate dehate

Hatespeech

…dt. Hassrede
…ist ein sprachlicher Ausdruck von Hass gegen eine vermeintlich homogene Gruppe oder Personen die dieser (vermeintlich) angehören, insbesondere durch die Verwendung von Ausdrücken, die der Herabsetzung und Verunglimpfung dieser Bevölkerungsgruppe dienen (Verknüpfung zu „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit„)
…ist ein diskriminatorischer Begriff (vgl. Empfehlung Ministerkomitee des Europarates 2009)
…hat zivil- und strafrechtliche Aspekte, ist jedoch kein juristischer Begriff

Cybermobbing

…bezieht sich auf eine einzelne Person oder klar umrissene Personengruppe (z.B. „Ausländer“)
…macht einer einzelnen Person eine selbstbestimmte Lebensführung, auch digital, unmöglich
…seit dem 1.1. 2016 gilt Cybermobbing als Straftatbestand in Österreich: §107c StGB „Fortgesetzte Belästigung auf dem Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems“
…in Dtl. nicht. „Cybermobbing“ fällt unter den §238 Nachstellung („unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation“)

Dangerous Speech

…dt. gefährliche Rede
…unterscheidet sich von Hate Speech darin, dass sie spezifischer und gefährlicher ist, da sie ein Publikum dazu bringt, Gewalt zu billigen oder sogar anzuwenden, nicht „nur“ Hass zu schüren

Toxisches Verhalten

…Verhalten, welches das Klima im Publikum nach einer Interaktion (z.B. einer Rede) negativ beeinflusst und einen sozialen Umgang miteinander dahin verschiebt, dass Räume für zum Beispiel Hate Speech oder (Cyber-)Mobbing geöffnet und diese Phänomene somit ermöglicht werden (Verknüpfung „Overtone Window“)
Beispiele:
Ein scheinbares Bedrohungsszenario wird von jemandem aufgebaut. Die Konsequenz: das adressierte Publikum fragt sich „Müssen wir uns wehren?“.
Es besteht eine hohe Anschlussfähigkeit an toxisches Verhalten bzw. ein hervorgebrachtes vergiftetes Klima. Das kann sich zum Beispiel darin äußern, dass sich gefragt wird „Wer hat Schuld an dieser Krise?“ und die Jagd auf einen vermeintlichen Sündenbock beginnt.

Problem

Nicht alle Kommentare/Beiträge sind eindeutig Hatespeech. Es ist schwierig Grenzen zwischen Aussagen festzulegen, die schmerzvoll, aber erlaubt sind (z.B.: „Ich hasse dich“) und Hate Speech, wenn es um den Schutz der Meinungsäußerungsfreiheit geht. Denn es existieren viele Vorstufen von Hate Speech, die nur partiell sichtbar werden.
Dennoch ist es wichtig, Grenzen zwischen den verschiedenen Abstufungen von gefährlicher Rede zu ziehen, um mit Begriffen diesbezüglich arbeiten zu können und über das Phänomen aufzuklären (Toxisches Verhalten, Hate Speech, Dangerous Speech).
“[W]e have realized that dangerousness can’t be correctly understood as a toggle or light switch, on or off, dangerous or not. Instead it falls on a spectrum: for example, Kenya’s Umati project, the first systematic effort to collect and study a country’s Dangerous Speech, sorted speech into three categories: offensive, moderately dangerous, and very dangerous.” (Dangerous Speech Project, FAQ)

Grafik Dangerous Speech Hate Speech

Abb.1: Überschneidung des Wirkens von Hate Speech und Dangerous Speech (vgl. Dangerous Speech Project, FAQ)

Diese Darstellung zeigt sehr gut, warum es wichtig ist, Hate Speech und Dangerous Speech voneinander zu unterscheiden und klare Definitionen für beide Begriffe zu verwenden, um sie miteinander vergleichen und dementsprechend mit ihnen arbeiten zu können.

Fazit: Es ist wichtig, das Indirekte oder auch Latente an Gesagtem herauszuarbeiten, um Hate Speech und Dangerous Speech erkennen zu können und mithilfe von Counter Speech dagegen argumentieren zu können.

Autor_in: Debate Redaktion

Dieser Artikel ist angelehnt an unsere Republica Session.
S. auch: http://www.bento.de/politik/kommentare-im-netz-8-tipps-wie-du-auf-trolle-antworten-kannst-1361263/

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