FÜR DIGITALE DEMOKRATISCHE KULTUR

Was sind Internet Meme?

by debate dehate

Internet-Meme sind auf popkulturellen Elementen und/oder aktuellen Geschehnissen beruhende personalisierte digitale Botschaften, die schnell und einfach durch entsprechende Software generiert und in diverse soziale Medien zum Zweck des Meinungsaustauschs oder als Kommentar eingebettet werden können.

Sie zählen wissenschaftlich zu kulturellen Replikatoren, d.h. durch Nachahmung verbreitete kulturelle Informationen wie Verhaltensweisen, Ideen, Verfahren und Texte, die durch mensch- liche Wahrnehmung erfasst und infolgedessen nachgeahmt werden können. Das Konzept wurde in den 1970er Jahren durch den Evolutionsforscher Richard Dawkins in Anlehnung an die biolo- gische Evolution von Genen hinsichtlich ihrer Verbreitung und Entwicklung eingeführt, wodurch auch die Begriffe zustandekommen (Mem/Gen; Meme/Gene, Memetik/Genetik)4. Für die vordigitale Zeit subsummiert das Konzept dementsprechend auch Sagen, Gedichte, Melodien, Gedanken, Schlagworte, Kleidermoden, Handwerkstechniken, politische oder religiöse Ideen unter Memen.

Die Spezialform der Internet-Meme sind Inhalte, die sich kaskadenförmig viral durch den Akt des bewussten Teilens im Social Web verbreiten und somit ihre Empfänger zu ihren Sendern machen. Grundsätzlich können medial ganz verschiedenartige Artefakte wie Bilder, Texte,
Videos, Hashtags, Gif-Animationen und deren Kombinationen zu Internet-Memen werden. Auch so- genannte »Troll«-Webseiten5 haben es schon zu memetischem Ruhm gebracht.6

Die Gesamtheit aller Meme, deren Entstehungsorte (Mem-Ökosysteme) und Nutzer_innen kann mit dem Begriff »Memosphäre« bezeichnet werden, angelehnt an die Begriffe »Logosphäre« (Welt der Worte) und »Blogosphäre« (Gesamtheit aller Weblogs und ihrer Verlinkungen). Während die Mitglieder älterer Subkulturen durch Identifizierung mit einer bestimmten Mode, Musikrichtung oder Philosophie eine Gruppenidentität erlangen, eint dem IT-Forscher Alex Leavitt zufolge die Memosphäre eine beständige Aneignung und Verarbeitung von Informationen im Sinne der Informationsgesellschaft7. Durch diesen massiven Medienkonsum entsteht Authentizität in der Mem-Subkultur, es geht um die Fähigkeit, Referenzen aus zahlreichen Filmen, Spielen, aus Musik und Nachrichteninhalten zu verstehen8. Man spricht in diesem Zusammenhang vom kulturellen Referenzraum, in dem sie sich entwickeln und entfalten. Über ihr Ursprungsmilieu hinaus sind Meme selbst inzwischen zu viralen Phänomenen und damit zu einem Teil der Mainstreamkultur geworden. Ihre Verbreitung beschränkt sich nicht mehr nur auf das Internet, sondern geschieht über multimediale Kanäle wie Fernsehnachrichten, Lifestylemagazine und Printmedien

Die Memosphäre besteht aus unzähligen Genres und entwickelt sich ständig weiter. Momentan lassen sich drei Trends beobachten, die in dieser Analyse näher besprochen werden sollen: Erstens der Trend zum Selfie-Mem, der immer stärker das Individuum in den Fokus rückt. Zweitens die Ausweitung memetischen Materials weg vom Spaßcontent. Im Sinne der Grundeigenschaft als »affektiver Zündstoff« zeigen sozialkritische Meme wie »der tote Junge von Bodrum«, dass memetische Ideen inzwischen auch aus emotional ganz anderen Richtungen entstehen und akzeptiert werden. Sich ablösend vom Nährboden ihrer explorativen und spielerischen Aneignung als digitale Ausdrucksform dienen Meme nun als Dialogbausteine in einer breiteren Spanne von gesellschaftsrelevanten Themen. Drittens werden immer öfter an Inhalte gekoppelte oder auch alleinstehende Hashtags verwendet (Social Tagging). Hierdurch entsteht eine Schlagwortsammlung (Index) der nutzergenerierten Webinhalte, die man Folksonomie nennt und in die vermehrt memetische Inhalte einbezogen werden.

Bei Internet-Memen handelt es sich immer um Ideen, die sich durch Imitation und verschiedene Arten der Neuverpackung reproduzieren. Sie treten deshalb »nicht als vereinzelte Einheiten auf, sondern als ungeheuer große Text- und Bildgruppen«9. Spricht man von einem Mem, meint man also eine Version diverser Varianten. Die Grundvoraussetzung für erfolgreiches memetisches Material ist demnach seine Imitier- und Personalisierbarkeit. Dies gilt neben Choreografien für alle Arten von Handlungsweisen und Requisiten. Ein inzwischen eigenständiges, relativ neues Mem- Genre sind Selfie-Fotos und -Videos mit absurden Verhaltensweisen wie »owling«, »planking« oder »lamping« und diverse Fashion-Selfies (z.B. ein selbstgeschossenes Outfit-Foto), die erstaunlich viele Nachahmer in der Netzgemeinde finden.

Selfie-Meme: Mode, Beauty, Schabernack

Das »Owling« (kauern wie ein Uhu auf allen möglichen Untergründen, vorzugsweise Podesten, Stan­ gen, Sockeln) oder auch »Planking« (bäuchlings und steif wie ein Brett liegend auf möglichst absur­den Untergründen abgelichtet werden) erfreuen sich großer Beliebtheit. Andere Varianten sind das»Lamping«, »Batmanning«, »Horsemanning« und portraitorientierte Selfie­Meme wie das »sello­ tape­ Selfie« (das Gesicht mit Klebeband umwickelt) und »Make­up shaming«, bei dem sich Men­schen mit nur einer geschminkten Gesichtshälfte fotografieren, um auf den Unterschied zwischen dem Natürlichkeit und Schönheitsideal hinzuweisen.

Quelle: http://www.sott.net/image/s3/74110/full/owling. jpg, abgerufen am 7.11.2016 Urheber: unbekannt
Quelle: http://www.sott.net/image/s3/74110/full/owling. jpg, abgerufen am 7.11.2016
Urheber: unbekannt

Quelle: http://b.vimeocdn.com/ts/159/890/159890366_1280.jpg abgerufen am 7.11.2016 Urheber: unbekannt
Quelle: http://b.vimeocdn.com/ts/159/890/159890366_1280.jpg, abgerufen am 7.11.2016
Urheber: unbekannt

Quelle: http://media4.s-nbcnews.com/i/new- scms/2015_24/624141/capture-tease-ma- keup-shaming-today-3_275db22a9aba6d1e3 2a9ecc03155dc2c.jpg, abgerufen am 7.11.2016 Urheber: Nikkie Tutorials
Quelle: http://media4.s-nbcnews.com/i/new- scms/2015_24/624141/capture-tease-ma- keup-shaming-today-3_275db22a9aba6d1e3 2a9ecc03155dc2c.jpg, abgerufen am 7.11.2016
Urheber: Nikkie Tutorials

Bild-Makros

Der Klassiker unter den Internet-Memen und die mit Abstand am weitesten verbreitete Form sind sogenannte Bild-Makros. Dies ist die Standardbezeichnung für Bildvorlagen mit darübergelegter, meist weißer, serifenloser Blockschrift der Schriftart Impact, oft in Großschreibung und mit ungewöhnlich großem Schriftgrad. Der hinzugefügte Text gibt dem Motiv einen zusätzlichen Sinn, Affektgehalt, rekontextualisiert es neu oder kommentiert es auf humoristische Weise. Diese Form gibt es bereits sehr lange und sie hat eine spezielle Schrift-Ästhetik entwickelt, an der sich alle Neuschöpfungen orientieren. Häufig werden Tierdarstellungen verwendet, die menschliche Aktionen oder Emotionen vermitteln sollen. Durch den übergelegten Text werden sie zusätzlich anthropomorphisiert. Prominentestes Beispiel sind »LOLcats«: Bildmakros mit Katzen in ungewöhnlichen oder niedlichen Posen, garniert mit nuschelndem Baby-Englisch (LOLspeak10). Wissenschaftlich untersucht wurde die affektive Funktion von LOLcats in der Netzkommunikation u.a. von Kate Miltner11. Miltner hat erforscht, warum Katzenmeme sich eignen, um online über Gefühle zu reden. Sie fand heraus, dass es uns leichter fällt, über uns selbst zu lachen, wenn wir unsere Fehler auf Katzen projizieren. Neben der anthropomorphen Distanz funktionieren LOLcats, weil Freundeskreise individuelle Referenzen in ihre Meme einbauen. So entsteht das Gefühl eines Insiderwissens, das eine verschworene Gemeinschaft teilt. Sehr verbreitet sind außerdem sogenannte »Advice-Animals«. Jedes Tier steht dabei für eine andere charakterliche Grundhaltung. Die Generierung eines Bild-Makros ist durch zahlreiche Desktopprogramme (memegenerator.net, Quickmeme, Memebase etc.) und App-Lösungen (Memeful, iMeme Generator, Meme Generator) sehr schnell und einfach. Webseiten, die sich auf das Verbreiten neuer Meme spezialisiert haben, sind z.B. MemeCenter.com oder WebFail.com. Außerdem berichten deutsche Jugendmagazine wie Vice und Bento, aber auch Digitalressorts der Süddeutschen Zeitung oder Spiegel Online regelmäßig über Memetrends.

Katzencontent (Das Internet ist eine Katze!)

Die Katze als memetischer Inhalt ist längst ein multimediales Phänomen geworden. Betrachtet man die Ausmaße, in denen Katzeninhalte heute im Netz produziert und konsumiert werden, kann man vom Katzenmotiv als Symbol für Internet­ Popkultur sprechen. Aus prädigitalen Ursprüngen heraus haben Katzenbilder die Bearbeitung durch Subkulturen, eine Phase der Monetarisierung und den Übergang in die Massenkultur durchlaufen. Diese Schritte repräsentieren gleichzeitig verschiedene Aspekte des Lebenszyklus von Internet­Memen.

Prädigitale Ursprünge

Katzen spielten eine Rolle schon bei den Ägyp­tern, als Unglücksbringer im Mittelalter, in der Kunst und auf Postkarten im 20. Jahrhundert.

Ägyptische Katze Quelle: http://image.shutterstock.com/z/stock-vector-illustra- tion-of-egyptian-cat-with-wings-isolated-on-white-186473591. jpg, abgerufen am 7.11.2016. Urheber: unbekannt
Ägyptische Katze
Quelle: http://image.shutterstock.com/z/stock-vector-illustra- tion-of-egyptian-cat-with-wings-isolated-on-white-186473591. jpg, abgerufen am 7.11.2016. Urheber: unbekannt

 Katzen gegen Glatzen

Quelle: https://www.facebook.com/katzengegenglatze, abgerufen am 7.11.2016. Urheber: Paul Katzenstein

Quelle: https://www.facebook.com/katzengegenglatze, abgerufen am 7.11.2016. Urheber: Paul Katzensteingegen Glatzen

Eine Initiative gegen Hasskommentare und rechte Hetze auf Facebook reiht sich in den Katzencontent unter dem Namen »Katzen gegen Glatzen« mit politischen Auftrag ein: Gesammelten hetzerischen und fremdenfeind­ lichen Beiträgen werden dort Katzenbilder und allerhand kritische (und sehr lustige) Meme entgegengestellt.

Weiße Blockschrift in der Social Media-Ästhetik

Meme entstehen sowohl inhaltlich als auch formal in bewusster Auseinandersetzung mit anderen, vorangegangen Memen. Sie greifen Ereignisse des aktuellen Tagesgeschehens ebenso auf wie popkulturelle Einflüsse und stellen damit eine Kulturtechnik mit einer reichhaltigen Intertextualität dar. Ihre Elemente werden miteinander rekombiniert und erfordern mitunter ein hohes Maß an referenziellem Wissen, um entschlüsselt werden zu können. Die Schrift-Ästhetik der Bild-Makros ist inzwischen selbst ein Mem. Wo immer sie auftaucht, signalisiert sie auf den ersten Blick: Hier steht ein Witz oder ein anderweitiges memetisches Statement im Sinne einer Meinung. Denn Meme funktionieren über das Auslösen affektiver Reaktionen. Egal, ob Spaß, Irritation, Ekelgefühl oder Wut, wichtig ist, dass ihre Botschaft schnell zu erfassen ist und gezielt eine Emotion auslöst oder anspricht. Diese Schriftästhetik hat sich zu einer memetischen Gattungskonvention entwickelt. Ähnlich wie bei Filmgenres können sich die Betrachter_innen durch dieses äußere Etikett vorab auf einen bestimmten Inhalt einstellen. Sieht man also weiße große Schrift auf einem Bild, kann man sich auf eine polarisierende Aussage, eine Anekdote, einen Witz oder eine Bestätigung bzw. einen Angriff auf die eigenen Werte einstellen.

Sprach Meme

Dank Twitter und der Implementierung von Hashtags auf Facebook und in anderen Netzwerken haben Webuser_innen in den letzten Jahren in den Sozialen Medien eine kollaborative Kultur der Sprachakrobatik entwickelt. In Deutschland tritt dieser Trend besonders im Zusammenhang mit den rechtspopulistischen Bewegungen um Pegida zutage. Bürger_innen drücken Protest und Antithese gegen solche Bewegungen zunehmend durch Sprachmeme aus.

Namenspersiflagen sind dabei sehr populär. Aus Pegida wird Schneegida, eine satirische Formation der Schneehasser_innen, die mit der Projektion auf Schnee statt Menschengruppen rassistische Sprachfragmente von Pegida entlarven will. Gegen Hogesa (Hooligans gegen Sala sten) hat sich die Facebook-Gruppe Hooligans gegen Satzbau gegründet, um mit öffentlicher Orthografiekontrolle Urheber_innen von Hasskommentaren als ungebildet zu entlarven. Neben der inhaltlichen Debatte beginnt hier en passant ein Diskurs um Sprachgebrauch und um Quellenglaubwürdigkeit im Netz.

Die Sprach-Memetik setzt sich aus Anleihen aus der Computerterminologie, Jugendsprache und Anglizismen zusammen und bringt Sprachformeln, Idiome, bestimmte Ausdrücke, Zitate, grammatikalische, schriftliche und lautmalerische Verfremdungen, bestimmte Wortwiederholun- gen und Wort lter hervor. Es entstehen eigentümliche Übersetzungsregeln zwischen verschie- denen Sprachen, Fantasiesprachen (z.B. LOLspeak) sowie Symbole, die nur die Mitglieder der Memosphäre verstehen können und die sich rasant weiterentwickeln und immer neue Trends hervorbringen. Diese Schrifttext-Meme entstehen meist als Teil eines Bild-Makros, dessen Komponenten sich ab einem gewissen Bekanntheitsgrad voneinander lösen und alleinstehend zum Mem werden. Besonders erfolgreich sind Sprachfragmente, die als Schablone benutzt werden können. Solche Schablonen heißen im Memjargon »Schneeklone« und funktionieren wie Satzschablonen, in denen einzelne Wörter ausgetauscht werden. Schneeklone eignen sich besonders gut als Persiflage zwielichtiger, anzuzweifelnder, vermeintlich nicht ganz wahrer Aussagen. Unter #Schneegida variierte Sprachfragmente sind solche Schneeklone.

Eine der ältesten Sprachmemeformen aus dem html-Zeitalter ist der Smiley: ein Ideogramm aus Kombinationen von Schriftzeichen, das zum Ausdruck von Emotionen genutzt wird. Daraus haben sich die heute sehr beliebten Emoticons entwickelt. Als wichtiger Bestandteil der Chat- und Jugendsprache verdeutlichen sie die zunehmende Visualisierung unserer medialen Kommunikation. Über die digitale Sphäre hinaus finden Smileys und LOLspeak zunehmend in der Werbung (die bewusst orthographisch inkorrekte »Yello Strom«-Werbung, »Quanta Costa«-Werbung von Debitel) und im Printbereich (als Stimmungsbarometer, Positiv- und Negativskalen) Verwendung.

Propagandaparolen Remix

Das Original stammt aus einer im zweiten Weltkrieg lancierten britischen Plakatkampagne zur na­tionalen Sicherheit (Keep calm and carry on). Sie hat sich zu einem äußerst populären Mem ent­wickelt, von dem im Netz unzählige Varianten zu finden sind. Ein Beispiel: die Verwendung der Sprachschablone als Solidarisierung mit Ungarns Grenzpolitik von dem Instagram­ Auftritt des NPD­ Chefs Frank Franz.

Quelle: https://s-media-cache-ak0.pinimg. com/originals/dc/4e/16/ dc4e169505a7e8ec- 5959c0ad74126101.jpg, abgerufen am 7.11.2016
Quelle: https://s-media-cache-ak0.pinimg. com/originals/dc/4e/16/ dc4e169505a7e8ec- 5959c0ad74126101.jpg, abgerufen am 7.11.2016

Quelle: https://www.instagram.com/ p/7ukAChtq3j/?taken- by=frankfranz, abgerufen am 15.12.2016 Urheber: unbekannt
https://www.instagram.com/ p/7ukAChtq3j/?taken- by=frankfranz,
abgerufen am 15.12.2016 Urheber: unbekannt

Klassiker der Bild-Memetik: Beispiel Advice Animals

Advice Animals (Ratschlagstiere) sind quadratische Bildmakros, die über einem einfarbigen oder strahlenförmig bunten Hintergrund einen freigestellten Kopf oder Oberkörper eines Lebewesens zeigen. Dazu gehören Textfragmente sowohl über als auch unter dem Motiv, die zusammen eine Handlungsempfehlung für den Betrachter ergeben. Normalerweise beinhaltet der zweite Textteil eine unterwartete oder absurde Vervollständigung des ersten Teils. Das erste Advice Animal war 2005 »advice dog« (ein Labradorwelpe namens Boba Fett), der sich durch seine schlechten Rat­ schläge (z.B. »hire clows / for funderals«) einen Namen gemacht hat. Inzwischen sind zahlreiche Tiere, Cartoonfiguren und menschliche Stereotypen hinzugekommen, wobei jeder Charakter eine andere Grundeinstellung zur Welt mitbringt. Dementsprechend ändert sich mit dem Charakter der Kontext der dargestellten Ratschläge, Aktionen oder Situationsbeschreibungen. Beispielsweise stellt »Philosoraptor« Überlegungen zu metaphysischen Themen an und deckt sonderbare Paradoxien des Alltags auf. Eine Übersicht zu den populärsten Advice Animals liefert das von der Plattform knowyourmem.com veröffentlichte »Periodensystem der Advice Animals«. Auch Charaktere mit abweichendem memetischen Ursprung werden zu Advice Animals verarbeitet, zum Beispiel die »Rage Faces« und »The most interesting man in the world«.

Quelle: Google Images, recherchiert am 7.11.2016. Urheber unbekannt
Quelle: Google Images, recherchiert am 7.11.2016. Urheber unbekannt

Alltagsanalysen

Über neueste Trends und tagesaktuelle Entwicklungen in der Memosphäre informieren zahlreiche Netzweltformate. Dirk von Gehlen, Leiter des Social Media & Innovation Resorts und Autor des Phänomeme-Blogs der Süddeutschen Zeitung, prägte die Beschreibung von Internet-Memen als Karikaturen unserer Zeit14 und setzt sich u.a. mit urheberrechtlichen Dimensionen des Kulturguts Mem auseinander. Er ist zudem Mitgründer des digitalen Museums rechtaufremix.org, in dem exemplarisch besonders berühmte Meme präsentiert werden. Formate wie »15 Minutes of Fame« von ZDFinfo beleuchten psychologische Aspekte von plötzlichem Internet-Ruhm und was dieser (oder nur die Aussicht darauf) mit der Privatsphäre von Heranwachsenden macht. Als besonders wendig im Einsatz von Netzformaten hat sich das Neo Magazin von Jan Böhmermann hervorgetan, das Mem-Ästhetik regelmäßig in die Sendung einbindet und mit Fallstricken der digitalen Informationskultur spielt.

Eine zentrale Datenbank für Meme gibt es im englischsprachigen Raum mit knowyourmeme. com. Diese Plattform dokumentiert sehr detailliert Ursprünge, Kontext, memetische Varianten und die Verbreitung zahlreicher Meme.

  • 1  Dawkins, Richard; Wickler, Wolfgang; de Sousa Ferreira, Karin (2008): Das egoistische Gen. Heidelberg.
  • 2  »Trolling« ist eine weit verbreitete memetische Technik und leitet sich vom englischen Begriff für »ködern« (trolling) und dem übernatürlichen nordischen Fabelwesen »Troll« ab. In der Netzkommunikation »trollt« man, wenn man durch das eigene Verhalten negative, erboste, erhitzte Reaktionen zu provozieren versucht. Ursprünglich in Chatforen entstanden, ist das Hauptziel des Trollens die Störung normaler Diskussionsabläufe.
  • 3  Für eine ausführliche Entwicklungsgeschichte empfiehlt sich das Buch von Erlehmann (Nils Dagsson Moskopp); Plomlompom (Christian Heller) (2013): Internet-Meme – kurz & geek. Köln.
  • 4  Leavitt, Alex (2010): Memes as Mechanisms: How Digital Subculture Informs the Real World. Kommentar (Konferenz-reihe Futures of Entertainment), University of Southern California & University of California-Los Angeles. Online verfügbar unter URL: http://www.convergenceculture.org/weblog/2010/02/memes_as_mechanisms_how_digita. php. Zuletzt geprüft am: 20.09.2014.
  • 5  Leavitt, Alex (2010): Memes as Mechanisms: How Digital Subculture Informs the Real World. Kommentar (Konferenz- reihe Futures of Entertainment), University of Southern California & University of California-Los Angeles.
  • 6 Shifman, Limor (2014): Meme. Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter. Berlin. S. 35.

    • 7  LOLspeak gilt unabhängig vom Trägerbild als Sprach-Mem. Es handelt sich um eine vereinfachte Sprache, vergleich- bar mit englischer Babysprache. Falsche Satzkonstruktionen und Deklinationen werden absichtlich eingebaut, um die Äußerungen der Katzen zu verniedlichen. LOLspeak wird auch in anderen Memen gern verwendet.
    • 8  Miltner, Kate (2011): SRSLY Phenomenal: An Investigation Into The Appeal of LOLCats. Hochschulschrift, London School of Economics and Political Science (Department of Media and Communications). Ihre Forschungsergebnisse präsentierte Kate Miltner auch auf der deutschen Konferenz für die digitale Gesellschaft re:publica 2013. Der Vortrag ist unter https://re-publica.com/de/file/republica-2013-kate-miltner-cat-memes als Video einsehbar.

    9 Shifman, Limor (2014): Meme. Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter. Berlin. S. 35.

    • 10 LOLspeak gilt unabhängig vom Trägerbild als Sprach-Mem. Es handelt sich um eine vereinfachte Sprache, vergleich- bar mit englischer Babysprache. Falsche Satzkonstruktionen und Deklinationen werden absichtlich eingebaut, um die Äußerungen der Katzen zu verniedlichen. LOLspeak wird auch in anderen Memen gern verwendet.
    • 11 Miltner, Kate (2011): SRSLY Phenomenal: An Investigation Into The Appeal of LOLCats. Hochschulschrift, London School of Economics and Political Science (Department of Media and Communications). Ihre Forschungsergebnisse präsentierte Kate Miltner auch auf der deutschen Konferenz für die digitale Gesellschaft re:publica 2013. Der Vortrag ist unter https://re-publica.com/de/file/republica-2013-kate-miltner-cat-memes als Video einsehbar.

     

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