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Viraler Hass: Teil 3 – Nachprüfen, rechte Zeichen erkennen & einfach mal keinen Spaß verstehen

by debate dehate

Pseudowissenschaftliche Beiträge erkennen

Konkret nachfragen

Oftmals reicht es schon, einfach mal genauer nachzuhaken. Viele Rechtsextreme teilen ihr »Wissen« nämlich simpel über Copy und Paste. Wenn nach Einzelheiten gefragt wird, wissen die Schreiber dann selbst nicht weiter.

Quellenanalyse

Wie bei jedem wissenschaftlichen Text gilt auch beim Umgang mit Statistiken und Studien im Netz zunächst: Quellenanalyse! Oftmals reicht ein Blick auf die Herkunft der Zahlen, um die rechtsextreme Intention der vermeintlich wissenschaftlichneutralen Auswertung zu erkennen. Wichtig: Falsches Expertentum aufdecken!

Zu guter Letzt: »Glaube nie einer Statistik...

… die du nicht selbst gefälscht hast.« Getreu dieses Sprichworts sind Statistiken, die in hitzigen Diskussionen im Netz eingeworfen werden, zu genießen. Rechtsextreme verweisen oft auf falsche, respektive einseitige und beschränkte Interpretationen von Zahlen oder Statistiken, um ihren subjektiven, ideologisch beeinflussten Wahrnehmungen der Realität einen vermeintlich wissenschaftlichen Aspekt hinzuzufügen.

Humor als rechtsextreme Strategie

Strahlende Kinder in Tschernobyl: In Form von vermeintlich lustigen Sprüchen, Bildern, Fotos und Cartoons werden hier – häufig ohne konkret rechtsextremen Hintergrund – Menschen bestimmter Gruppenzugehörigkeit offen diskriminiert und verlacht.

Wer sich auf vermeintlich »spießige« Werte wie die Menschenwürde beruft, wird oft als »Spaßverderber« hingestellt. Viele Nutzerinnen und Nutzer feiern sich als besonders »rebellisch«, wenn sie umstrittenen Humor verbreiten und wissen gar nicht, welche Mechanismen sie damit in Gang setzen.

Da viele Menschen die These vertreten, Humor dürfe alles, ist es nämlich auch für Rechtsextreme leicht, unter dem Deckmantel des Schalks ideologisch motivierte »Witze« über Randgruppen zu posten – und dafür oftmals Beifall zu ernten, auch aus nicht-rechten Kreisen.

Auch Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen

Ganz besonders gewiefte Hobby-Komiker führen in diesem Zusammenhang oft das Argument der Meinungsfreiheit an. Aussagen wie »Wenn man nicht mal mehr einen Witz machen darf …« oder »Wir haben immer noch Meinungsfreiheit« sind typische Rechtfertigungen, die man zu hören bekommt. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Meinungsfreiheit ja, Menschenverachtung nein.

Schluss mit lustig

Das Problem: Über vermeintliche »Witze« können rassistische Ideologien verharmlost oder sogar normalisiert werden. Mit jedem Witz, der den Holocaust parodiert, nimmt die Hemmschwelle ab. Bis es »ganz normal« scheint, sich über den industriellen Mord an Millionen Menschen lustig zu machen.

Was tun gegen rassistischen Humor

Eine Möglichkeit kann sein, dem Witz »den Witz« zu nehmen, indem man ihn auf seine reine Aussage herunterbricht. Wer ein Foto teilt, liked oder postet, das sich über Armut oder Hungersnot lustig macht, sollte sich die Frage »Du findest es also lustig, wenn Kinder verhungern?« gefallen lassen. Natürlich machen Sie sich damit schnell unbeliebt. Suchen Sie sich darum »Verbündete «, die ähnlich denken.

Grenzen setzen, Problematik erklären

Setzen Sie klare Grenzen. Entscheiden Sie für sich, wo Ihre subjektiven Grenzen liegen und kommunizieren Sie das. Erläutern Sie die Problematik und versuchen Sie, verständlich zu machen, warum Sie gerade diesen Spruch oder jenen Witz überhaupt nicht lustig finden.

Darüber hinaus: Melden!

Wenn jedoch die objektiven Grenzen zwischen Humor und Volksverhetzung überschritten sind – etwa bei konkreten Bedrohungssituationen und expliziter Verharmlosung, Leugnung oder sogar Gutheißung von GMF oder des Holocausts – hilft nur noch der Melden-Button.

Codes und Symbole richtig deuten

Da die meisten Symbole aus der NS-Zeit in Deutschland verboten sind, weichen Rechtsextreme auf verschiedene Codes aus, die teilweise sehr simpel, manchmal aber auch nur von Insidern zu erkennen sind. Auch die Erkennungszeichen der Neonazis spalten sich also in offen zur Schau gestellte Bekenntnisse rechtsextremer Ideologie und verschlüsselte Erkennungsmerkmale auf. Sich selbst bezeichnen die Neonazis gerne als »Nationaldemokraten «, »Freiheitliche«, »Nationale Sozialisten« oder »Nonkonforme Patrioten«. Wenn Ihnen diese Selbstbezeichnungen im Internet begegnen, ist Vorsicht geboten: Vermutlich kommunizieren hier Neonazis oder zumindest Menschen, die mit Nazi- Ideologien Kontakt hatten.

Wortneuschöpfungen und geographische Bezeichnungen

Bei der Wort- und Phrasenneuschöpfung sind Rechtsextreme ganz besonders erfinderisch. Sie bewegen sich dabei immer auf dem schmalen Grat zwischen strafrechtlicher Unbehelligtkeit und der Intention, Signale an Gleichgesinnte zu senden und alle anderen einzuschüchtern. Im Internet finden solche rechtsextremen Wortschöpfungen schnell Verbreitung.
Rechtsextremen missfällt die »Infiltrierung« der deutschen Sprache durch Wörter aus anderen Sprachen. In den neuen Medien kommt man ohne Anglizismen aber kaum noch aus. Darum haben sich Neonazis eigene Begriffe ausgedacht. So steht »Weltnetz« für das Internet, über das »E-Post« (Emails) verschickt werden kann. Auf »Heimseiten« (Homepages) findet man »Verweise« (Links), etwa zum Versandhändler seines Vertrauens, bei dem man schließlich »T-Hemden« mit einschlägigem Aufdruck bestellen kann.

Weitere Erkennungszeichen sind verschiedene Symbole mit Bezug zur NS-Zeit, beispielsweise Partei- und SS-Abzeichen, Reichsadler sowie das Hakenkreuz, Runen und Logos. Als Farbkombination der Flagge des Reichs nehmen Schwarz, Weiß und Rot einen besonders wichtigen Platz in der rechten Symbolik ein.

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