FÜR DIGITALE DEMOKRATISCHE KULTUR

Rechte Strömungen und Akteure im Internet

by debate dehate

Im folgenden Abschnitt werden bekannte und relevante rechte Strömungen und Akteure kurz vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Plattform Facebook, da es sich dabei um das aktuell relevanteste soziale Netzwerk im deutschsprachigen Raum handelt. Um jedoch zu verdeutlichen, welche Gruppierungen in welchen relevanten Netzwerken aktiv sind, werden zusätzlich Zahlen zu den Plattformen YouTube, Twitter, Instagram und, da diese für Rechtsextreme zunehmend relevant wird, auch die russische Plattform VK angegeben. Die Darstellung orientiert sich an offiziellen Accounts der jeweiligen Gruppierung; inoffizielle Accounts oder Accounts von einzelnen Akteur_innen werden nicht einbezogen, sind aber meist noch vorhanden.
Dazu wurden mit dem Tool Fanpagekarma Social Media-Analysen auf Facebook durchgeführt. Zunächst wurden die jeweils 30 beliebtesten Beiträge der Seiten im Jahr 2015 ausgewertet, dabei wurden kurz die speziellen Merkmale und Strategien im Onlineauftritt der Gruppierung analysiert. Bei weniger bekannten Organisationen und Bewegungen wurde eine zusätzliche einordnende Erklärung hinzugefügt.
Diese Darstellung ist nicht abschließend, zumal nur die aktuell relevantesten und interessantesten Gruppierungen dargestellt werden.

Um auf Facebook die Relevanz von Like-Zahlen besser nachvollziehen zu können, werden hier Vergleichszahlen von Parteien, Onlinezeitungen, aber auch Sportlern angegeben. Die Zahlen verändern sich selbstverständlich und sind hier auf dem Stand des 20. Juni 2016.

Facebook: 204.270 Likes
YouTube: ––
Twitter: 3.649 Follower_innen
Instagram: – ––
VK: 3.653 Follower_innen

Die Seite hatte am 31. Dezember 2015 183.990 Likes. Dies ist ein Zuwachs von 97.973 um 88 Prozent seit Anfang 2015, wobei 63% des Wachstums bis Ende Januar stattfand, als sich die Seite noch in ihrer Anfangswachstumsphase befand.
Über das Jahr wurden durchschnittlich 12 Beiträge pro Tag gepostet, zumeist Bilder und Links. Von ihren 2.345 Posts erzielte jeder im Jahresmittel knapp 1.358 Likes, 216 Kommentare und 294 Shares. Die meisten Verlinkungen auf andere Seiten neben Facebook wurden auf »Epochtimes.de« und »PI-news.net« gesetzt.
Die beliebtesten Beiträge waren Fotos oder Videos der jeweils letzten Demonstrationen. Erfolgreich waren auch Beiträge zu dem Auftritt von Kathrin Oertel in Günther Jauchs Talkshow (Januar 2015) oder der Post zu den Anschlägen in Paris im Januar 2015 auf die Redaktion des Satire-Magazin Charlie Hebdo. Neben Lutz Bachmanns Rede im Januar bei einem ihrer »Montagsspaziergänge« funktionierte auf ihrer Seite ein Bild mit dem Text »Muslime mögen keinen Alkohol, keine Hunde, keine Bikinis, kein Schweinefleisch und keine Religionsfreiheit. Warum also kommen sie nach Europa?« sehr gut.
Auffällig ist, dass neun ihrer 30 meistgeliketen Beiträge im Januar entstanden sind, was mit den sinkenden Teilnehmer_innenzahlen der Demonstrationen im Laufe des Jahres zusammenpasst.

Facebook: 275.672
YouTube: ––
Twitter: 27.200 Follower_innen
Instagram: ––
VK: 1.1295 Follower_innen

Anfang Januar 2015 hatte die Seite 135.859 Likes und zu Ende des Jahres 180.639, also einen Zuwachs von 44.781 Fans oder 33 Prozent. Zwischen dem 18. und 22.03.2015 verlor die Seite 3.470 Fans (Grund: Richtungsstreit und Erfurter Resolution) und nahm von da an zunächst konstant ab. Zwischen dem 04.07. und 02.09. (niedrigster Stand 132.109) gingen nochmal 4.793 Fans aufgrund der Spaltung von AfD-Gründer Bernd Lucke verloren. Seit der deutlicheren Ausrichtung nach rechts hat die Seite konstant dazugewonnen.
Es wurden 2015 durchschnittlich 2,4 Beiträge am Tag gepostet, davon waren mehr als 75 Prozent Bilder. Diese Posts hatten im Durchschnitt jeweils 1.948 Likes, 194 Kommentare und 373 Shares. Die meisten Verlinkungen wurden auf »focus.de« und andere Facebook-Seiten gesetzt.
Der Social-Media-Auftritt der AfD zeichnet sich generell durch das parteieigene Design aus. So waren mehr als 75 Prozent ihrer Beiträge Bilder, die meist einen ähnlichen Aufbau hatten. Typischerweise wurde ein Zitat, das Bild mit der zitierten Person und das AfD-Logo gepostet. Dieses Design hat einen hohen Wiedererkennungswert und scheint online sehr gut zu funktionieren. Auch Plakate der AfD sind nach diesem Schema aufgebaut.
Die beliebtesten Beiträge enthielten Kritik an Angela Merkels Asylpolitik. Dabei wurde z.B. »Fr. Merkel wird zu einer Gefahr für Deutschland« gepostet, oder dass im Rahmen der so genannten AfD-Herbstoffensive 2015 »Strafanzeige gegen Fr. Merkel wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz […] und bandenmäßiger Einschleusung von Ausländern« erstattet wurde. Beliebt waren auch Beiträge zu außenpolitischen Themen. So gratulierte die AfD der polnischen nationalkonservativen Partei «PiS« zu ihrem Wahlerfolg, postete begeistert »Ungarn schließt Grenze zu Kroatien!« und zitierte Alexander Gauland mit: »Russland ist Partner und kein Gegner im Kampf gegen den Terror« und »Auch Schweden macht die Grenze dicht – Wann wacht unsere Bundesregierung auf?«

Landesverbände
Die AfD- Landesverbände hatten im Durchschnitt 7.000 Fans, wobei Bayern mit 11.000 an der Spitze steht und das Saarland mit 2.600 die kleinste Seite ist. Die Seiten der Landesverbände posteten im Durchschnitt 758 Posts im Jahr, wobei Bayern mit 2.000 am aktivsten war und Schleswig-Holstein mit nur 246 Posts am unteren Ende steht.

Facebook: 164.171 Likes
YouTube: 4.455 Abonnent_innen
Twitter: 4.270 Follower_innen
Instagram: 4.945 Abonnent_innen
VK: ––

Die NPD konnte auf Facebook ihre Likes von 118.185 auf 146.843 steigern; das entspricht einem Wachstum von 28.658 (24%). Über das Jahr posteten sie durchschnittlich 5,9 Beiträge pro Tag, die im Durchschnitt 827 Likes, 78 Kommentare und 277 Shares erhielten. Ihre Posts waren dabei hauptsächlich Links und Bilder. Die meisten Verlinkungen gingen auf andere Seiten auf Facebook oder »bayern-depesche.de«.
Die NPD ist medial breit aufgestellt. Neben der Hauptseite gibt es verschiedene Unterseiten auf Facebook. Zum einen die Präsenzen diverser Landesverbände, aber auch die der Jugendorganisation, Frauenorganisation, die Seiten bekannter NPD-Politiker_innen etc. Zum anderen gibt es thematische Seiten, die nicht zwingend als Teil des NPD-Netzwerks gekennzeichnet sind. Daher kann eine direkte Urheberschaft auch nicht immer nachgewiesen werden, obwohl es starke Indizien dafür gibt. Beispielhaft ist hier die Seite »Deutschland gegen Kindesmissbrauch« zu nennen, aber auch »Keine weiteren Asylantenheime in Deutschland«. Diese Seiten dienen als Satelliten, um über thematische Bezüge Nutzer_innen ansprechen zu können.
Beiträge erscheinen häufig in Bildform. 2015 ging es dabei meist um das Thema Asylpolitk, in den be- liebtesten Beiträgen speziell um die Abschiebung kriminell gewordener Asylbewerber_innen. Sie vertraten völkische Positionen wie »Jedem Volk sein Land« und sahen Deutschland in Gefahr, von einer »Asylflut« überschwemmt zu werden. Ihre Angst vor »Überfremdung« und der »selbstmörderischen Willkommenskultur« zeigten sich in dem oft wiederholten Spruch »Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land«. Dabei konstruierten sie sich gern selbst in einer Opferrolle, in der Ausländer in Deutschland angeblich sagen könnten, was sie wollten – »Nur als Deutscher musst du hier die Klappe halten«. Oft geteilt wurde auch ein Beitrag, in dem versucht wurde, deutsche Pfandsammler_innen gegen »Flüchtlinge in Markenklamotten […] mit ihren Smartphones« auszuspielen. Auch fanden sich auf der NPD-Seite positive Verweise auf Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs und auf »alte deutsche« Werte: »Deutsch sein heißt treu sein«.

Landesverbände
Die Landesverbände haben im Durchschnitt 6.200 Likes, wobei Sachsen mit 14.000 Spitzenreiter ist und Rheinland-Pfalz mit weniger als 1.000 Likes die geringste Zahl digitaler Anhänger_innen hat. Sie posteten im Durchschnitt 638 Beiträge im Jahr; hier war Bayern mit 2.300 Beiträgen (6,2 pro Tag) am aktivsten und Rheinland-Pfalz mit nur 6 Beiträgen am unteren Ende.

Facebook: 20.986 Likes
YouTube: 2.089 Follower_innen
Twitter: 2.946 Follower_innen
Instagram: ––
VK: ––

„Ein Prozent für unser Land ist der Versuch, eine Art NGO für die Neue Rechte in Deutschland zu etablieren. Der Name begründet sich mit den Mitgliederzahlen anderer NGO’s wie z.B. Greenpeace und deren politischem Einfluss. Ein Prozent wird dabei als magischer Wert angesehen, den es zu erreichen gilt, um eigene Interessen erfolgreich durchzusetzen: »Ein Prozent reicht, um Deutschland zu verändern.«
Gegründet wurde EinProzent am 13. Oktober 2015, initiiert durch den Chefredakteur des Compact-Magazins, Jürgen Elsässer, und den Verleger und Vordenker der Neuen Rechten, Götz Kubitschek. Die Aufgaben der Bürgerinitiative sieht Kubitschek in: »dokumentieren, vernetzen, recherchieren und klagen«.
Dabei kann ihre Plattform als eine Art Crowdfounding-Seite für allerlei Aktivitäten im rechtsextremen Aktivismus gesehen werden. Zwar geben sie an, wie viel Geld sie für jeden dieser Bereiche im Monat brauchen (Dokumentieren: 3.000 € Vernetzen: 1.500 € Recherchieren: 1.500 €, da sie jedoch keine öffentliche Rechenschaft darüber ablegen, in welchen Höhen Gelder akquiriert werden und wie diese generell aufgeteilt werden, trügt der Crowdfunding-Charakter der Seite.

Dieses Jahr hatten EinProzent drei erfolgreiche Aktionen.
1. Mit dem Staatsrechtler Professor Karl Albrecht Schachtschneider starteten sie eine Verfassungsbeschwerde, um damit die Bundesregierung zu zwingen, die deutschen Grenzen »gegen die illegale Einreise von Ausländern zu sichern«. Die Grenzöffnung während der Flüchtlingskrise in Deutschland sehen sie als Verstoß gegen geltendes Recht und fordern deshalb die Suspendierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel. Als Beschwerdeführer traten Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer neben Professor Schachtschneider und AfD-Politiker Dr. Hans-Thomas Tillschneider, Leiter der »Patriotischen Plattform« (PP) innerhalb der AfD, auf. Obwohl die Beschwerde begründungslos zurückgewiesen wurde, ist sie als eine der drei erfolgreichsten Aktionen von »Ein Prozent für unser Land« zu sehen, da sie neben einer deutschlandweiten Berichterstattung auch sehr erfolgreich in sozialen Medien geteilt wurde.
2. Nach eigenen Angaben schafften sie es, durch einen Spendenaufruf innerhalb einer Woche 10.000 € zu sammeln und diese an die Identitäre Bewegung in Österreich zu überweisen. Das Geld war für Schäden bestimmt, die am Rande einer Identitären Demonstration entstanden (einer symbolischen Grenzschließung in Spielfeld an der Grenze zu Slowenien, bei der »Antifas« rund 80 Autos beschädigte).
3. Ihre größte Kampagne 2016 war ihr Aufruf, die Landtagswahlen am 13. März als Wahlbeobachter_ innen zu begleiten. Diesem Thema widmeten sie vier Videos und zwölf Artikel.

Allgemein erscheinen die Ziele, die EinProzent verfolgt, genauso unscharf wie die hinter dem Projekt stehenden Akteur_innen. Zwar unterstützen im Vordergrund mit Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek zwei Schwergewichte der Neuen Rechten das Projekt, den Großteil der Arbeiten erledigt aber wohl das Duo Philip Stein, Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft, und Martin Sellner, Obman der »Identitären Bewegung Wien«. Auffällig ist auch, dass von Elsässer nur wenige Aussagen bezüglich der Relevanz der Initiative bekannt sind und selbst Kubitschek die Initiative nur bei wenigen Auftritten seiner Person präsentierte. Dadurch können sie weit über die Grenzen des klassischen Milieus Finanzmittel mobilisieren und direkt an die Aktivitäten der radikalsten Aktivist_innen der Neuen Rechten weiterleiten. Verbindungen hat die Bürgerinitative vor allem mit der AfD – deren Ziele sehen sie so: »Sichere Grenzen, Innere Sicherheit, Deutschland als Land der Deutschen« – und mit der Identitären Bewegung. Auch an der Vernetzung ihre Fans auf Facebook sieht man diese Verbindung.

EinProzent hat aktuell fast 21.000 Fans bei Facebook, über 2.600 Follower auf Twitter und knapp 2.000 Abonent_innen bei YouTube.
Auf der Webseite wurden seit Beginn des Jahres 2016 49 Artikel veröffentlicht und auf YouTube 22 Videos hochgeladen, 12 davon allein 2016. Über Twitter und Facebook werden im Durchschnitt ca. 1,5 Beiträge am Tag gepostet. Meist wird dabei auf die eigene Homepage verlinkt. Ihr erfolgreichster Beitrag auf Facebook hat 2.414 Likes, 164 Kommentare und wurde 3.397 mal geteilt. Ihr erfolgreichster Tweet hatte 218 Retweets und 245 „Gefällt mir“-Angaben. Ihre Videos auf Youtube haben im Durchschnitt 9.500 Views, ihr erfolgreichstes »Merkel auf die Finger schauen: Wahlbeobachter werden! – EinProzent«, hochgeladen am 21.02, hat 28.498 Views und 454 Likes.
Ihre Webseite hat einen modernen und übersichtlichen Aufbau. Ihre Bilder und Texte zeichnen sich durch ein konsistentes Corporate Design aus. Dabei ist es ihnen wichtig, sich den Anstrich des Bürgerlich-Biederen zu geben.

Facebook: 25.706 Likes
YouTube: 1.912 Abonnent_innen
Twitter: 2.407 Follower_innen
Instagram: –– VK:

Die Identitäre Bewegung ist eine in Deutschland noch recht junge und kleine Gruppierung, die aber Teil eines europäischen Netzwerks ist. Ursprünglich aus Frankreich stammend und der Neuen Rechten zuzuordnen, ist sie seit 2012 auch in Deutschland aktiv. Die Identitäre Bewegung zeichnet sich vor allem durch einen modernen Stil mit popkulturellen Bezügen und eine hohe Netzaffinität aus. Die Bewegung definiert sich über ein »christliches Europa« und einen Abwehrkampf gegen den Islam.
2015 wuchs die Seite um 67 Prozent, von 13.257 auf 22.077 Likes. Größere Like-Gewinne konnten immer dann erzielt werden, wenn Aktionen der Identitären Bewegung stattfanden. Der größte Zulauf konnte zum Beispiel durch Aktionen am 28.06. (»Besetzung« der SPD-Parteizentralen in Hamburg und Berlin) um 1.000 Likes und am 01.08. (Demonstration gegen die Asylpolitik vor dem Schloss Bellevue) mit 800 neuen Fans erzielt werden. Generell sind die beliebtesten Beiträge Berichte über eigenen Aktionen.
Es wurde durchschnittlich 1,7 mal am Tag gepostet. Die Beiträge sind Bilder und Links, die meistens auf »identitaere-generation.info« und »jungefreiheit.de« weiterleiten. Für jeden Post erhielten sie im Durchschnitt 160 Likes, 11 Kommentare und 44 Shares. Auffällig ist, dass viele Aktionen der »Identitären Bewegung Österreich« geteilt wurden, wie z.B. deren symbolische Errichtung eines Grenzzaunes oder eine von ihnen durchgeführte Straßenblockade.
Visuell gelang es den Identitären, Slogans wie »Wir sind die Jugend ohne Migrationshintergrund« popkulturell effektiv zu vermarkten. Auch andere radikale Sprüche funktionierten gut auf der Seite; so fragte ein Beitrag: »Wie viele fremde Sprachen müsst Ihr noch hören, bis Ihr die eigene nicht mehr könnt? […] Wie viele Rechte lasst Ihr euch noch nehmen, bis Ihr zu Sklaven werdet? Wie viel Blut muss noch fließen, bis Ihr darin ertrinkt?« Die Bewegung inszenierte sich 2015 noch stärker als rechte Avantgarde und ist seit einigen Monaten verstärkt mit Aktionen auf der Straße an die Öffentlichkeit getreten.
Die aktuelle Kampagne mit dem Titel »Der große Austausch« bedient das rechtsextreme Narrativ vom »Volkstod«: Das deutsche Volk würde auf Grund geringer Geburtenraten aussterben und durch Migration nach und nach ersetzt werden. Dabei ist diese Kampagne lediglich eine Neuauflage und wurde zum Beispiel schon 2012 unter dem Label »werde unsterblich« von rechtsextremen Gruppen verbreitet.

Facebook: 11.267 Likes
YouTube: 926 Abonnent_innen
Twitter: 1.009 Follower_innen
Instagram: ––
VK: 268 Follower

Die rechtsextreme Kleinpartei hat im Sommer 2015 mit einer Google-Karte aller existenten und geplanten Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Zeitgleich mit der Karte wurde eine Broschüre veröffentlicht, die erklärt, wie Proteste gegen Unter- künfte zu organisieren seien. Publiziert wurden beide Broschüren allerdings schon Anfang 2015. Mit diesen Veröffentlichungen hat die Partei demonstriert, dass auch eine geringe Zahl von Rechtsextremen mit geschickten Strategien ausreicht, um bundesweite Debatten zu initiieren.
Die Facebook-Einträge wurden wenig kommentiert, sondern primär geliked oder geteilt. In den Beiträgen wurde hauptsächlich Eigenwerbung betrieben und von Aktionen wie Flugblattverteilungen oder Demonstrationen berichtet. In der eigenen Rhetorik wird dies als »asylkritische Aufklärungsarbeit« bezeichnet. Die Beiträge funktionierten meist nach ähnlichem Muster: Fotos von Flyern der Partei, die vor Ortschilder oder Gebäude gehalten werden, mit Hinweisen versehen, wo aktuell »Aufklärungsarbeit« stattfindet. Auch fanden sich Bildmontagen mit Zitaten über Freiheit, um das Motiv des Widerstandes aufrecht zu erhalten.
Auf YouTube wurde ebenfalls hauptsächlich über durchgeführte Aktionen und Demonstrationen berichtet.

Facebook: 32.370 Likes
YouTube: 148 Abonnent_innen
Twitter: 226 Follower_innen (inaktiv seit Januar 2014)
Instagram: 100 Abonnent_innen
VK: ––

Die eher im Hooligan-Milieu angesiedelte German Defence League ist Teil eines europäischen Netzwerks der Defence-League-Bewegung. Dominante Themen sind die Ablehnung des Islams sowie der Kampf gegen die drohende »Islamisierung« und »linkes Gutmenschentum«. Damit bewegen sie sich thematisch auf einer Linie mit der Neuen Rechten. Bekannter als die German Defence League ist die English Defence League, die vor allem in Zusammenhang mit dem Rechtsterroristen Anders Behring Breivik in die Schlagzeilen geriet. Breivik gab an, vor seiner Terrortat von der English Defence League zum Ritter geschlagen worden zu sein. Der Ritter, genauer das Bild des Kreuzritters, wird von der Defence-League-Bewegung als idealisierter Kriegertyp angesehen, in dessen Tradition sie sich einreiht. Für die Defence League Bewegung ist er ein Vorbild, der schon vor Jahrhunderten die drohende Islamisierung Europas bekämpft hat. Deswegen finden sich auf den Profilen von Defence-League-Mitgliedern häufig Bilder von Kreuzrittern.
2015 stiegen die Likes um 12 Prozent von 25.821 auf 28.877. Am 20.01. gewann die Seite 717 Fans dazu, verlor aber am 13.03. fast genauso viele (714).
Sie postete durchschnittlich 12 Beiträge pro Tag, die meisten davon Links auf Seiten wie »michael-mannheimer.net«, »pi.news.net«, »jungefreiheit.de« und »netzplanet.net«. Dafür erhielt sie im Durchschnitt 94 Likes, 21 Kommentare und 54 Shares.
Ihre beliebtesten Beiträge auf Facebook waren Bilder oder Links zu Artikeln, die oft unkommentiert geteilt wurden. Inhaltlich ging es 2015 meist um Syrien oder um Asylsuchende allgemein. Auffällig ist, dass sie viel häufiger als andere »witzige« Bilder posteten, also rassistischen und abwertenden Humor bedienten, und eher platte Beiträge gegen die »Antifa« teilten. In den inhaltlichen Beiträgen werfen sie »Gutmenschen« vor: »Menschen wie IHR habt Paris erst möglich gemacht« oder zitieren Putin mit: »Russland braucht keine Minderheiten. […] Wir werden ihnen keine Privilegien einräumen, keine Gesetze ändern, egal wie laut sie Diskriminierung schreien!« Dieses Zitat, das er angeblich vor der russischen Duma geäußert hat, ist zwar mehrfach im Internet zu finden, eine Quelle wird dafür aber nie angegeben. Russlands Einsatz in Syrien wurde mit den Worten »Russland will USA Flugverbot für Syrien erteilen und IS auch ohne Beteiligung Washingtons ausradieren« befürwortet. Der geteilte Artikel, dass »Angola [..] als erster Staat auf der Welt den Islam« verbietet, kommt bei den Fans der Seite gut an.

Rechte Strömungen und Akteure im Internet
Friedensquerfront

Neben den genannten Gruppierungen und Organisationen, die eindeutig als rechtsextrem, zur Neuen Rechten zugehörig oder als rechtspopulistisch klassifiziert werden können, gibt es ein weiteres Spektrum, das 2015 eine wichtige Rolle in der Debatte um Flüchtlinge und Hetze im Netz spielte. Dieses Spektrum wird unter dem Begriff »Friedensquerfront« zusammengefasst.
Als Friedensquerfront lässt sich ein sehr heterogenes und loses Netzwerk aus den Überresten der Montagsmahnwachen-Bewegung des Jahres 2014 und verschiedener Gruppierungen aus linken und rechten Milieus beschreiben, die für »den Frieden« demonstrieren und Russland als Bastion der Freiheit idealisieren. Sie stellten und stellen den Versuch dar, auf Basis antimoderner Einstellungen (z.B. einem völkischen Verständnis von Souveränität, einer Trennung der Gesellschaft in »die da oben« und das betrogene »Volk«, einer Verehrung von als antiwestlich empfundenen Herrschern wie Wladimir Putin oder Baschar al-Assad, einer personifizierenden Kapitalismuskritik oder der Annahme einer Fremdherrschaft über das eigene Land) die Regierenden der Bundesrepublik Deutschland zum Rücktritt oder zu einer Änderung der Politik zu zwingen. Sie teilen vornehmlich verschwörungsideologische Inhalte, also die Annahme, dass für alle, vornehmlich negativen, gesellschaftlichen Ereignisse eine kleine Gruppe von Personen verantwortlich ist. Darüber hinaus vertreten die einzelnen Akteure des Netzwerkes zum Teil sehr widersprüchliche Positionen. Exemplarisch werden hier drei Akteure behandelt: Anonymous.Kollektiv, Compact und KenFM.

Facebook: 1.919.129 Likes (Stand: 20.04.2016)
YouTube: ––
Twitter: ––
Instagram: ––
VK: 44.776 Follower_innen

Hervor sticht hier die Facebook-Seite, da sie bis Ende des Jahres 2015 über 1,8 Millionen Fans verzeichnen konnte und damit eine sehr große Reichweite besitzt. Besonders von den Reaktionen auf die islamistischen Terroranschläge in Paris am 13. November konnte Anonymous.Kollektiv profitieren. So hatte eine andere Gruppe unter dem Label Anonymous in einem Video Aktionen gegen die Datenstrukturen des selbsternannten IS angekündigt, das auch auf der Seite geteilt wurde. Infolgedessen stiegen die Like-Zahlen vom 16. bis 18. November sprunghaft um 100.000 Fans pro Tag an.
2015 postete die Seite durchschnittlich 3 Beiträge pro Tag, zumeist Bilder und Links. Jedes Posting erzielte im Jahresmittel rund 5.680 Likes, 615 Kommentare und 3.935 Shares. Besonders sticht der positive Bezug zum COMPACT Magazin des Neurechten Jürgen Elsässers hervor. Die verlinkten Artikel führen hauptsächlich zur Webseite des Magazins. Die verlinkten COMPACT-Artikel weisen somit auch die meisten Interaktionen von Fans mit der Seite Anonymous.Kollektiv auf.
Die Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv lebt vom Namen der berühmten Hacker-Bewegung. Da sich allerdings jeder dieses Label aneignen kann, wird unter dem Namen Anonymous.Kollektiv vor allem rechtspopulistische bis rechtsextreme Propaganda verbreitet. Themen der Seite waren 2015 verschwörungsideologische und rechtspopulistische Inhalte, die sich gegen Angela Merkel, die »Lügenpresse«, die USA und Flüchtlinge richteten oder sich für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und für Russland aussprachen.
Anonymous.Kollektiv setzte besonders auf die identitätsstiftende Funktion von Verschwörungs- und rechtspopulistischen Ideologien. So wurden auf der Seite auch Falschmeldungen gepostet, solange sie sich widerspruchslos in das rechtspopulistische Weltbild einfügten. Die Facebook-Seite bediente sich zudem einer revolutionären Rhetorik und Widerstandsnarration, um von ihrem Publikum Taten zu Hervor sticht hier die Facebook-Seite, da sie bis Ende des Jahres 2015 über 1,8 Millionen Fans verzeichnen konnte und damit eine sehr große Reichweite besitzt. Besonders von den Reaktionen auf die islamistischen Terroranschläge in Paris am 13. November konnte Anonymous.Kollektiv profitieren. So hatte eine andere Gruppe unter dem Label Anonymous in einem Video Aktionen gegen die Datenstrukturen des selbsternannten IS angekündigt, das auch auf der Seite geteilt wurde. Infolgedessen stiegen die Like-Zahlen vom 16. bis 18. November sprunghaft um 100.000 Fans pro Tag an.
2015 postete die Seite durchschnittlich 3 Beiträge pro Tag, zumeist Bilder und Links. Jedes Posting erzielte im Jahresmittel rund 5.680 Likes, 615 Kommentare und 3.935 Shares. Besonders sticht der positive Bezug zum COMPACT Magazin des Neurechten Jürgen Elsässers hervor. Die verlinkten Artikel führen hauptsächlich zur Webseite des Magazins. Die verlinkten COMPACT-Artikel weisen somit auch die meisten Interaktionen von Fans mit der Seite Anonymous.Kollektiv auf.
Die Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv lebt vom Namen der berühmten Hacker-Bewegung. Da sich allerdings jeder dieses Label aneignen kann, wird unter dem Namen Anonymous.Kollektiv vor allem rechtspopulistische bis rechtsextreme Propaganda verbreitet. Themen der Seite waren 2015 verschwörungsideologische und rechtspopulistische Inhalte, die sich gegen Angela Merkel, die »Lügenpresse«, die USA und Flüchtlinge richteten oder sich für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und für Russland aussprachen.
Anonymous.Kollektiv setzte besonders auf die identitätsstiftende Funktion von Verschwörungs- und rechtspopulistischen Ideologien. So wurden auf der Seite auch Falschmeldungen gepostet, solange sie sich widerspruchslos in das rechtspopulistische Weltbild einfügten. Die Facebook-Seite bediente sich zudem einer revolutionären Rhetorik und Widerstandsnarration, um von ihrem Publikum Taten zu fordern.
Aktuell (Stand: Juni 2016) ist die Seite auf Facebook nicht mehr aufrufbar und vermutlich gelöscht worden. Im ersten Quartal 2016 wurden die Nutzerinnen und Nutzer wiederholt aufgefordert, von Facebook weg zur Plattform VK zu wechseln. In den Wochen vor der Sperrung wurde Werbung für Waffen unter dem Label »Migrantenschreck« auf der Seite verbreitet.

Facebook: 78.510 Likes
YouTube: 42.019 Abonnent_innen
Twitter: 4.925 Follower_innen
Instagram: 2.336 Abonnent_innen
VK: 93 Follower_innen

Die Onlinepräsenz des Magazins ist gut ausgebaut. Auf der Facebook-Seite wurden täglich 1,5 Beiträge gepostet. Sie hat 2015 ihre Fans von 18.300 auf 55.000 verdreifacht. Besonders in der zweiten Jahreshälfte verzeichnete die Seite starken Zuwachs. COMPACT Magazin konnte ebenfalls von den islamistischen Terroranschlägen in Paris im November profitieren. Die Seite postete zumeist Links zu Artikeln auf der eigenen Webseite sowie Bilder.
Auch auf YouTube ist das COMPACT Magazin präsent. Im Jahr 2015 konnte der Kanal COMPACTTV seine Abonnent_innenzahlen von 24.000 auf 37.000 weiter steigern. Die Videos der Seite wurden durchschnittlich 9.700 Mal pro Tag angesehen. Die eigenen Videos sind professionell produziert und befassen sich mit den rechtspopulistischen Themen des Magazins und der Dokumentation eigener Konferenzen wie auch mit den Reden Elsässers auf verschiedenen Demonstrationen und Veranstaltungen. COMPACT verfügt über einen Twitter-Account und postet ebenfalls im russischen Netzwerk VKontakte. Um jedoch dem populistischen Anspruch gerecht zu werden, sind Facebook und YouTube die wichtigsten Plattformen für das Magazin. Nur hier erreicht es ein breites Publikum und kann auf eine neue Leser_innenschaft hoffen. Das COMPACT Magazin wird seit 2010 unter anderem von Jürgen Elsässer herausgegeben, der im Jahr 2015 u.a. als Sprecher bei Legida aufgetreten ist. Es trägt den Untertitel »Magazin für Souveränität«, womit die Macher ausdrücken wollen, dass die Bundesrepublik Deutschland kein souveräner Staat sei. Ihrer Ansicht nach befindet sich Deutschland aufgrund verschiedener, zum Teil geheimer Gesetze und Bestimmungen unter Fremdherrschaft der »Hochfinanz«, einer kleinen Machtelite und der USA. Das Magazin verbreitete 2015 außerdem Verschwörungstheorien zu den unterschiedlichsten Themen, worauf der Slogan »Mut zur Wahrheit« anspielt, sowie Hetze gegen Gender Mainstreaming und Flüchtlinge. Die Macher und Autor_innen von COMPACT sehen das »deutsche Volk« durch »das Finanzkapital« und Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen gefährdet. Das COMPACT Magazin setzt auf zwei Strategien auf dem Weg zum »souveränen Deutschland«. Zum einen wird ein legalistischer Weg verfolgt, wonach »denen da oben« vorgeworfen wird, gegen die Verfassung zu verstoßen. Gleichzeitig wird die Bevölkerung zum Widerstand aufgerufen. Dies mündet schließlich in der Aufforderung an Soldat_innen und Polizist_innen zur Befehlsverweigerung im Namen dieses völkisch-nationalistischen Widerstandes gegen die Bundesrepublik Deutschland.

Facebook: 247.969 Likes
YouTube: 131.508 Abonnent_innen
Twitter: 12.300 Follower_innen
Instagram: ––
VK: ––

Die Facebook-Seite KenFM konnte die Anzahl ihrer Fans im Jahr 2015 von 168.100 auf 243.600 steigern. Wie andere verschwörungsideologische Facebook-Seiten auch konnte KenFM stark von den islamistischen Terroranschlägen in Frankreich im Januar und im November profitieren. Vor allem solche Beiträge, die eine Inszenierung der Anschläge durch den Staat unterstellen, waren für die außergewöhnlich hohen Zuwachszahlen verantwortlich. Die Seite postete im Jahr 2015 durchschnittlich 1,6 Mal am Tag. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um als Facebook-Post veröffentlichte Artikel mit Bild sowie um eigenproduzierte Videos.
Thematisch werden bei KenFM zumeist Facetten der Weltpolitik abgehandelt: Aus Perspektive einer antiimperialistischen Welterklärung wird ein besonderer Fokus auf die Manipulation der Bevölkerung – dem Narrativ der »Lügenpresse« und der Fremdbestimmung folgend – sowie auf Krieg, Deutschland und Israel gelegt. Oft wird aus einer »antirassistischen« Perspektive das Existenzrecht Israels abgelehnt.

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